31 Jan Zur Erinnerung an Barbara Weise
Ein persönlicher Nachruf auf Barbara Weise – Züchterin, Fotografin und langjähriges Mitglied der Landesgruppe Hessen.
Barbara Weise war seit 1999 Mitglied der Landesgruppe Hessen im Club für britische Hütehunde e.V. Unter dem Zwingernamen »Vom Weisenstein« hat sie zwischen 2001 und 2006 vier Würfe gezogen. Dem Border Collie und dem Club blieb sie bis zuletzt verbunden – oft mit der Kamera in der Hand bei Veranstaltungen, Ausstellungen und Treffen. Am 30. Januar 2026 ist sie nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.
Was bleibt, sind am Ende aber weniger Zahlen als Bilder.
Die Frau sitzt in der Wurfkiste. Seit zwei Stunden, glaube ich. Die Zuchtwartin hat sie mitgebracht. Hat erzählt, wie lange man sich kennt, dass sie in einem ihrer vielen Leben selbst gezüchtet hat, ihr in diesem nun aber der Hund abhanden gekommen ist. Also lassen wir sie dort sitzen. In der Wurfkiste. Zwischen den Welpen, die gerade zweieinhalb Wochen alt sind. Die ihr über die Hände kriechen, die ein bisschen nach Desinfektionsmittel, darunter aber nach tausend Geschichten riechen. Nach Wüstensand und Patchouli. Nach poliertem Metall. Nach Rauch, nach Holz und Erde. Nach vielem, das man wahrnimmt, und doch nie ganz festhalten kann.
Den Welpen, den die Frau Wochen später mitnimmt, hält sie ganz fest im Arm. Nicht so, dass man zusammenzuckt. Eher so, als gehörte das Tier dorthin, als hätte es diesen Platz schon lange eingenommen. Die Hündin lässt es geschehen. Sie hebt kurz den Kopf, drückt ihre Nase an die Wange der Frau. Und dann machen sie sich auf. Ins nächste gemeinsame Leben.
In den Jahren, die folgen, habe ich oftmals den Eindruck, dass die Hündin die Frau viel besser versteht, als sie sich selbst. Dass sie wahrnimmt, was nicht ausgesprochen wird, und trägt, was nicht mehr getragen werden kann. Wir reden, während die Hündin vorausläuft, während sie zusammengerollt unter dem Tisch der Wohnküche liegt, während sie im Halbschlaf ein Ohr hebt, um nichts zu versäumen. Wir reden über Hunde. Über jene, die es gab, und jene, die es noch geben könnte. Über Menschen, die unser Leben ein stückweit begleitet haben. Und über das, was kommt, wenn dieses Leben zu Ende geht. »Nichts geht verloren, alles ist mit allem verbunden«, sagt die Frau, die Barbara heißt. Die Frau, die ich meine Freundin nenne.
Es heißt, das letzte Leben führt jeder in der Erinnerung. In den Geschichten, die von denen erzählt werden, die zurückbleiben.
Diese ist nur eine. Von vielen.
